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Oythe -
Der Bohrmeißel dreht sich in einer Tiefe von 2000
Metern. Auf dem Computerbildschirm verfolgen die Techniker auf der Bohrstelle
Oythe Z 3 das Geschehen. Am Bohrkopf beträgt die Temperatur 96 Grad, deshalb
strömt heißer Dampf aus dem Bohrloch der derzeit größten Baustelle in der
Kreisstadt.
Peter Weustermann, früher Schüler der Realschule in Vechta, ist
Oberbohrmeister und überwacht die Bohrung nach Süßgas. Das befindet sich
nach Ansicht der Geologen im Karbongestein knapp 5000 Meter tief unter der
Erdoberfläche. Fraglich ist nur noch, wie groß das Vorkommen im extrem
harten Tiefengestein sein wird.
Das Gebiet um Oythe ist mit Erdgas reich gesegnet. Bereits 1961 bohrte das
Unternehmen Brigitta in Goldenstedt nach Öl und stieß völlig überraschend
auf Erdgas. Bereits 1961 wurde eine Leitung zu den Stadtwerken Bielefeld
gebaut und "Goldenstedter Erdgas" dorthin befördert, erklärt
Diplom-Ingenieur Thomas Fischer, der bei der ExxonMobil für
Unternehmenskommunikation zuständig ist.
Zehn Milliarden Kubikmeter Sauer- und Süßgas werden im Oldenburger Münsterland
jährlich gefördert, das sind zehn Prozent der gesamten Förderung in
Deutschland. Die Region südlich von Oldenburg ist damit das größte
Erdgasfeld in Deutschland. Das Sauergas wird zur Aufbereitungsanlage nach Großenkneten
geleitet und dort entschwefelt. Eine Million Kubikmeter flüssiger Schwefel
verlassen jährlich die Großenkneter Anlage in Richtung chemischen Industrie.
Rund um Oythe wird sowohl Sauer- als auch Süßgas gefördert. Wenige Meter
von der gigantischen Anlage auf dem Oyther Esch entfernt gab es eine
Sauergasbohrstelle in 3000 Meter Tiefe. Sie wurde zugeschüttet.
Die neue, auch nachts taghell beleuchtete Bohrstelle ist eine Fabrik aus
Containern, die auf eine zuvor asphaltierte Ackerfläche gestellt wurde. Das
Land hat Exxon Mobil für die nächsten 30 Jahre gepachtet. 20 Millionen Euro
wird das Modellprojekt verschlingen, schätzt Thomas Fischer, bis die
angepeilte Tiefe erreicht ist. 150 Tonnen Stahlrohre werden dafür gebraucht.
Vor Lärm und Licht der Bohrstelle werden die benachbarten Bauernhöfe durch
hohe Lärmschutzwände geschützt. Auch die Sicherheitsvorkehrungen auf der
Anlage sind hoch. Denn bei 3000 Metern werden Peter Weustermann und seine
Kollegen unfreiwillig auch auf Sauergas stoßen. Für diese Begegnung ist der
Oberbohrmeister aber mit modernster Technik gewappnet. Sobald am Bohrloch
irgendetwas Ungewöhnliches passiere, werde die Öffnung in wenigen Sekunden
durch Schutzventile automatisch geschlossen.
Pro Minuten werden 4000 Liter Wasser, versetzt mit einem Gel, in das Bohrloch
gepumpt. Die Energie stammt übrigens aus einer eigenen Stromleitung und wird
direkt in die vorhandenen Generatoren gespeist. "Wenn die auf dem
Stoppelmarkt zu wenig Saft haben, können wir gerne aushelfen", scherzt
Weustermann, der seit 30 Jahren im Geschäft ist. So tief und so lang wie hier
wurde bisher noch nirgends gebohrt, sagt der Fachmann.
Thomas Fischer hofft, dass die Bohrstelle Oythe Z3 später einmal 20000 bis
30000 Kubikmeter Gas fördern wird. "Dann hätte sich die Investition
mehr als gelohnt", sagt der Sprecher des weltgrößten Energiekonzerns.
Und dann werden über 20 Bohrungen in Nordwestdeutschland folgen, um weitere Süßgas-Vorkommen
zu erschließen.
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