Holzhausen - Tradition - Gedicht von Maria
Holzenkamp
Erinnerungen an Holzhausen
von Maria Holzenkamp
Unser
Dorf Holzhausen, wo die vielen Züge brausen;
höret, ihr werdet staunen, was früher schon war
Holzhausen.
In Holzhausen waren die Jungens sehr schlau;
drei Pfarrer, ein Apotheker, Professoren, Advokaten
und vierzehn Lehrer, das ist eine große Zahl.
Sieben Mädchen gingen in den Orden;
die anderen sind Hausfrauen geworden,
damit Holzhausen bleibt
bestehn.
Männertreu und Vergißmeinnicht
kauften wir in Vechta nicht.
Bracklands Opa legte alles in den Korb,
dann ging es zur Frieda, auf ein Wort.
„Macht's elektrisch" heißt der Spruch,
hatten wir früher mal Bruch.
Bussen
Heini kam schnell,
und
schon war's wieder hell.
Röseners
Anton war ein Zimmermann,
sein Sohn Anton lernte auch das Handwerk dann.
Für Fricken Hinnerk war es immer klar,
wenn wir waren
mit dem Radel da.
Er baute auch mal ein neues
„Veluzepeh",
damit fuhren wir 10km um den
Dreh.
Stuten, Brot und Butter
kauften wir bei
Lammers Mutter.
War
man mit dem Bett zusammengekracht,
neue Möbel gab's bei Lammers Martin, Gott sei Dank.
Gemeindebüro und Papiere waren in
Schuß,
dafür sorgte Lampings Julius.
Keiner kannte ein Fernsehstudio,
bei Lamping war das erste Radio.
Scheelen Heini und Hammors Jupp kamen vorbei,
brachten jeden Morgen die Milch zur Molkerei.
Lücken
Heini sorgte für der Bauern Recht,
kontrollierte
die Milch nach Einheit und Fett.
Kallagen
Klemens kaufte die fetten Schweine,
dafür
gab es dann schöne Scheine.
Wir
hatten eine Rampe zum Verladen
und
einen Bahnhof mit vielen Wagen.
Getreideschuppen
auf dem Bahnhof waren im Bau,
Frickens
Ornds Rechnung als Verwalter stimmte genau.
Als
man in Telbrake den Torfmull erfand,
die
Unternehmer bauten große Fabriken dann.
In
den ersten Jahren brachte Lammers Gerd die Ballen mit Pferdewagen,
heute
wird nur noch mit Lastwagen gefahren;
der
Telbraker „Mull" wird am Holzhauser Bahnhof verladen.
Bei
der Post war Schulzen Franz still und bescheiden,
seine
Hanne konnten wir alle gut leiden.
Stoppelmarkt
hatte sie Schnaps, Bier und Wein,
dort
kehrten wir dann immer noch ein.
Kegelbahn
und Kneipe waren auch schon da;
sie
befanden sich in festen Händen von Tante Anna.
Bei
allen war sie beliebt, man konnte es verstehn,
sie
machte „Erste Hilfe" und war immer gern gesehn.
Schlosserei
machte Warnkings Papa,
Schneiderin
war die Tochter Ella.
Einen
Pfingstbaum gab es nach altem Brauch,
auf
Kloppenburgs hohem Schornstein auch.
Beim
Aufstieg war nicht jeder dabei,
nur
Warnkings Heini, der war schwindelfrei.
Pfingsten
war bei Warnkings Tanz;
die Jungs
kamen auch von Lutten her,
denn
die Holzhauser Mädchen waren sehr begehrt.
Schnieders
August hatte eine Schneiderei,
nebenbei
auch noch eine Brüterei.
Als
Marktbezieher war Oeser sehr bekannt,
„Hau
den Lukas" wurde sein Geschäft genannt.
Dann
gab es noch eine Zementfabrik,
die war
jedoch nicht lange in Betrieb.
Kloppenburgs
Jupp backte die Woche dreimal frisch;
sein
Brot, 10 kg, fehlte auf keinem Tisch.
Mahlten
die Steine das Korn nicht mehr fein,
lud
Jupp Diekmanns Hermann ein;
der kam mit seinen
Bicken,
um
sauber die Steine auszupicken.
Pulsforts
Hinnerk war oft in unserm Haus,
er
kannte sich in jedem Handwerk aus;
er kam gern zu jeder Zeit,
man kannte
noch keine Schwarzarbeit.

Hönen
Hinnerk mahlte das Korn in die Säcke,
machte dabei immer seine
Snäcke;
wenn
er könnte sein auf diesem Fest,
er würde alle begrüßen aufs allerbest.
Lange wurde
von ihm gesprochen,
Friederks
Franz hat ihm nie die Treue gebrochen.
Er
war ein feiner Mann mit seinen 30 Lenzen,
seine
Bernardine holte er über die Grenzen.
Bei
Meerpohls war unsere Tanzdiele;
Sonntags
kamen dort Jungens viele.
Wir
waren dann schon alle da
und
Lampings Aloys spielte Handharmonika.
Dort
hatten wir Spaß in Fülle,
wir
kannten noch keine Promille.
Hatten
wir unsere Schuhe kaputt,
ging
es zu Krögers Heini und Jupp.
Dort
war was los, daß ihr es wißt,
unser
Küster von Oythe lernte in Holzhausen Organist.
Kröger
Siefken Pappen machte Schuh aus Holz,
bekamen
wir neue, waren wir ganz stolz.
Im Kriege
waren die Schuhe knapp überall,
da
machte Nehus Bernd Hölsken vom selben Material.
Selbsthilfe
war üblich im allgemeinen,
im
Kriege gab es gute Schnapsbrennereien.
Bei
wem gefunden wurde das edle „Naß",
der
kam nach Vechta zur „Kalvermasch".
Kathmanns
Jan und Müthings Heini arbeiteten drauß,
und
mauerten auch mal ein neues Haus.
Pulsforts
Hinnerk baute Wagen für Kuh und Pferd;
Schepers
Ornd sein Handwerk war von gleichem Wert.
Rohkohler
Katrin nähte Kleider weit übers Knie;
drei
Jahre getragen war es noch kein Mini.
Für
ein Foto mit der Kamera,
dafür
war Rohkohler Klemens da.
August
Blömer pflegte der Pferde Fuß,
schmiedete
das Eisen für den Wagen dazu.
Berta
fuhr mit kleinen Wagen und einer Kuh;
Blömers
Hinnerk hatte das erste Auto dazu.
Bruns
Mia machte von uns Wichtern den ersten Führerschein,
sie
fährt seit über 40 Jahren unfallfrei.
Bei
Schepers Franz bekamen wir unsere Fenster aus erster Hand;
Schepers Jupp klebte
Tapeten an die Wand.
Franz
Warnking, Möbben Franz genannt,
ist uns als Kirchenprovisor bekannt.
Postamt
war bei Muckers lange Zeit;
Franz war auch bei der Straßenmeisterei.
Bei
Otten-Lammers war, daß ihr es wißt,
früher schon eine Mutter „Griepsch".
Funken Heini wollte von uns Mädchen keine,
er holte die Maria aus Osterfeine.
Hitz Bernd
machte zur Frau seine Tine,
doch
heute heißt sie nur noch Tebben Josefine.
An die meisten hab ich wohl gedacht,
und
an das, was man früher hier schon alles gemacht.
Doch eines wollen wir nicht
vergessen;
all ihr
jungen Leute seid bedankt,
die
ihr uns heute dieses Fest gemacht.
Ich glaub nach ein paar Jahren im Mai,
sind
alle „Holzhauser Lüe" gern wieder dabei.
Vortrag von Kloppenburgs Mia
(Maria Holzenkamp) anlässlich des Pfingsttreffens 1985
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