|


Gästebuch

| | Unser Oythe und seine Ortsteile - Telbrake
Geschichtliches
zu Telbrake - von Engelbert Hasenkamp
Quelle: Heimatblätter vom 12.April 2008, Beilage zu Nr. 86, Nr. 2./87.
Jahrgang, Seite 14
Was
sagt uns der Name "Telbrake"?
Von
einer heimatkundlich interessierten Einwohnerin wurde kürzlich nach der
Bedeutung des Namens "Telbrake" gefragt. Telbrake, ein Ortsteil des
alten, einst selbstständigen Kirchspiels Oythe bei Vechta, liegt im östlichen
Bereich des Stadtgebietes. Begrenzt wird er im Norden von der Landesstraße L 81
Vechta-Lutten-Goldenstedt, im Osten von der "Alten Bäke", die noch
nicht lange hier als "Vechtaer Moorbach" bezeichnet wird, obwohl sie
richtiger erst ab dem Zusammenfluss mit der "Schlochter Bäke" am
Speckendamm so heißen müsste. Im Süden schließen sich dem Bachlauf
Grünenmoor und Füchtel an und als westliche Grenze kann man in etwa den
jetzigen "Haferkamp" nennen.
Ein
Blick auf die Karte zeigt uns, dass der Großteil dieser Bauerschaft eine in
sich geschlossene unbebaute genutzte Fläche bildet, sich die ringförmig von
der etwa sieben Kilometer langen "Telbraker Straße" umsäumt wird.
Das Gelände steigt hier bis auf 44,9 Meter über N.N. an, während die
Ortsmitte von Oythe nur 37,3 Meter misst (Topographische Karte 3215 Vechta,
1969).
Prof.
Dr. Georg Reinke 1) schreibt 1920: "Die durchgehends nur kleinen
Bauernhöfe umsäumen kranzförmig den Esch. Nach alten Überlieferungen sollen
die Oyther Bauern ehemals alle zusammen in der Nähe der Kirche gewohnt haben.
Eine Feuersbrunst habe aber den Ort zerstört und die Bewohner hätten sich dann
rings um den Esch herum wieder angebaut".
Die
große freie und höher gelegene Fläche, die von der "Telbraker
Straße" umschlossen wird, umfasst die Flurstücke "Hoher Esch",
"Telbraker Esch" und "Flage". Unter "Esch" und
"Flag" 2) ist, vereinfacht gesagt, eine alte häufig runde und
ursprünglich eingehegte Ackerfläche zu verstehen, die meistens dem Anbau von
Roggen dient und von unkultiviertem Land umgeben war. Die Wallbegrenzung ist
allerdings inzwischen verschwunden und ebenso gibt es das benachbarte,
ungenutzte Heideland nicht mehr.
 |
Die "Pickerhake" schloss früher den gesamten
Oyther Esch ab.
Durch sie soll das Vieh von einem gemeinsamen Kuhhirten in
das östlich gelegene Bruch hinausgetrieben worden sein.
Foto: Engelbert Hasenkamp |
Aber
auch die Ackerfläche war als solche nicht ewig vorhanden und das führt uns zu
der Deutung des Namensteils "brake" oder "brache". Das Wort
kommt von "brechen" 3), erstes Umbrechen des Bodens oder Umbruch eines
Streifens ungepflügten Landes. In der alten Dreifelderwirtschaft blieb jeweils
Drittel der bewirtschafteten Fläche unbearbeitet liegen. Sie wurde im Juni des
folgenden Jahres gepflügt = brechen oder umbrechen. Deshalb heißt der Juni
auch Brachet oder Brachmonat.
Auch
im Mittel- und Althochdeutschen nannte man das Pflügen "Brachen" und
das gepflügte Land "Brachfeld" oder einfach "Brache". Aus
dem mittelhochdeutschen "brach liegen" hat sich allmählich das
Eigenschaftswort "brach" entwickelt, das "unbenutzt" oder
"unbebaut" bedeutet.
Die
Herkunft der ersten Wortsilbe "tell" lässt mehrere, wenn auch
ziemlich gleichbedeutende Erklärungen zu. Dr. Ludwig Averdam bringt "tel"
mit "Tellen" = bebauen oder "Neuland das jemand bebaut hat"
in Verbindung und leitet davon den Namen "Zeller" = Bauer ab 4). Im
Altfriesischen kennt man den Begriff "teelen" oder "teulen"
= Land fruchtbar machen, Land bebauen oder man nimmt das englische "to till"
zu Hilfe = pflügen, ackern, das Feld bebauen 5).
 |
Der "Hohe Esch" in Telbrake,
eine zusammenhängende, ringförmige und fruchtbare
Ackerfläche, an dessen Rand alte Bauernhöfe und schmucke Neubauten
angesiedelt sind.
Hier ein Blick über den Esch auf die Hofstelle von
Franz von der Heide, Pickerhake 5.
Foto: Engelbert Hasenkamp |
Mittelniederdeutsch
ist die Redensart "telen unde buwen" geläufig, soll heißen
"ackern und bebauen". Darunter ist im bestimmten landwirtschaftlichen
Sinne "ein Land ertragsfähig machen" zu verstehen und der Bebauer
wird "teelman" genannt. Aus dieser Benennung soll im Oldenburger
Münsterland verhochdeutscht die Bezeichnung "Zeller" entstanden sein
6). Ähnlich erklärt Hermann Böning im "Plattdeutschen Wörterbuch"
den Begriff "telen" als "ackern, landwirtschaftlich
erzeugen" und sieht darin ebenfalls die Herkunft des Namens
"Zeller" = Bauer 7).
Begründet
mit diesen mehrfachen und weitgehend übereinstimmenden Ausdeutungen lässt sich
zusammengefasst sagen, dass unter "Telbrake" bewirtschaftetes und
früh bebautes Neuland aus Heide und Holzbeständen zu verstehen ist, das
wahrscheinlich die ersten hinterm Esch gelegenen Zuschläge gewesen sind.
Quellen:
1) Dr. Reinke, Georg: Wanderungen durch das Oldenburger Münsterland, 1.
Heft, Seite 91,92
2) Hellbernd/Möller: OLDENBURG, ein heimatkundliches Nachschlagewerk, Seite 598
3) Duden, Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, Band 7, Seite 79
4) Dr. Averdam, Ludwig: Denkwürdige Plätze in Oythe, in Heimatblätter Nr. 5
vom 19.5.1929, Seite 7
5) Tilemann, Dothias Wiarda: Altfriesisches Wörterbuch, Aurich, Siete 1786,
Seite 367
6) Schiller/Lübben: Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1878, vierter
Band, Seite 522
7) Böning, Hermann: Plattdeutsches Wörterbuch für das Oldenburger Land,
Oldenburg 1941, Seite 114
zurück
nach oben
|